Jetzt will ich mal ein bisschen ueber unsere Apotheke schreiben. Den CITTA Nepal Medical Pasal. Das ist die bestausgestattetste Apotheke von Humla. Es gibt in der Stadt (unsere Hospital ist so ein bisschen abseits gelagen am Waldrand, ausserhalb von Simikot) noch mindestens 4 Apotheken. Und das tolle District Hospital, vom Staat finanziert und 4 grosse Gebaeude umfassend, hat genausowenig Aerzte wie Medis. Die schicken uns ihre Patienten mit fast unlesbaren Verschreibungszetteln, um die Medis bei uns zu kaufen. (Und wenn man die verschreibung entschluesselt hat, dann weiss man auch sofort das grade wieder mal alle Aerzte in Kathmandu sind. Wie kann man denn nem kleinen Maedchen mit akuter massiver Pneumonie Cortison geben? na davon spaeter)
Also unsere Apotheke ist jedenfalls voll super.Wir haben das breiteste Angebot und die besten Preise. Citta gibt die medis zum grosshandelseinkaufspreis ab. Kein eigenes interesse und kein aufpreis fuer den Transport. Wir sind hier ja echt abgelegen. Alles was hier nicht produziert wird, wird eingeflogen. Das bedeutet, dass zum Beispiel weizenmehl hier 150 Rupien pro kilo teurer ist als in Mepalganj, also mehr als doppelt so teuer. Nebenbei bemerkt reicht selbst der komische lokale reis und die lokalen kornsorten nicht aus, um die leute zu ernaehren. Man ist auf den teuren Reis aus Nepalganj angewiesen. Wenn die Flieger wegen Wetter und Co mal wieder nicht durchkommen wirds auf die dauer eng. So jedenfalls auch mit den Medis. Wir geben die unter den eigenkosten ab.
Wenn man in unsere super ausgestattete Apotheke reingeht, merkt man aber gleich, dass 2 drittel der regale voll sind mit antibiosen und Vitaminen/Mineralstoffen. Wir haben gigantische Mengen von Metronidazol und Cotrimoxazol (super bei Durchfall) aber nur eine kleine schachtel Betablocker und ein wenig ACE-Hemmer. Beide Schachteln sind auslaendermedikamente die irgendwelche Wessis (wie ich) wohl hiergelassen haben. Ich denk die werden wohl auch hier liegen bleiben, bis das Verfallsdatum rum ist.
Was noch recht gut vertreten ist sind Erkaeltungssachen, Athma/COPD, antiinfectioese und entzuendungshemmende Hautcremes und Schmerz. Schmerzmedis gabs bis vor kurzem nur NSAIDs, ich hab mal Tramadol bestellen lassen, fuer die dies echt schwer haben und denen man nicht unbegenzt die Magenschleimhaut wegaetzen kann. Morphin wollte ich auch, fuer akute staerkste schmerzen, aber das kam nicht. (zum gleuck musste ich sowas aber auch noch nie therapieren, will ich alleine auch nicht)
Im Rahmen meines “ich muss hier selberdenken” Programms hab ich ein paar tage lang listen von unseren verfuegbaren wirkstoffen gemacht inklusive Markennamen und hab nachgelesen wie man das alles Dosiert und so weiter. Im Sprechzimmer haengen jetzt ne ganze menge Zettel. Dass die patienten verwirrt sind wenn der doktor da mal draufgucken muss und nicht gottgleich sofort weiss was er in welcher dosis geben will ist mir egal. Lieber ich mach nen fehler weniger, und mit der Zeit hab ich auch immer weniger gespickt – aber bei diesen mischpraeparaten, da guck ich halt was ich geben will.
Ja, aber wenn man sich das so anguckt, wenn man in Humla ueberleben will, dann muss man entweder verdammt gesund sein, oder hart im nehmen, oder ne infection haben, die man innerhalb von einer, hoechstens 2 Wochen mit antibiose heilen kann. Die medizin die wir hier machen ist die medizin der schnellen loesungen. Wer in 2 Wochen nicht wieder fit wird, brauch eigentlich garnicht kommen.
Chronische krankheiten, die dauermedikation braeuchten haben keine chance. Ja, wir haben hier ne dose Metformin, aber nen Diabetiker, der das kauft, hab ich noch nicht gesehn. Es ist einfach so, dass die Leute ihr Geld zum essen brauchen. Trotz dem die Medis hier so billig sind, kann sichs keiner leisten staendig welche zu brauchen. Ausserdem kommen die leute von ewig weit. Manche 3 Tagesmaersche und mehr. Da kann man nicht mal eben ne Blutzucker, oder Blutdruckkontrolle machen. Es gibt diese Gesundheitsposten, aber keine ahnung was da so geht. Wenn man sich ueberlegt was die aelteren Leute bei uns so alles nehmen, die ganze zeit… unvorstellbar. Man haette ja auch ueberhaupt keine moeglichkeit die korrekte einnahme sicherzustellen. Ich hab hier ja schon bei ner einwoechigen therapie mit 3 verschiedenen praeparaten schwierigkeiten. Die Leute sind nicht so gebildet. Genausowenig koennte man auf Nebenwirkungen reagieren oder sonstwie die Therapie anpassen. Da kam an meinem 3ten Tag hier einer an, der wollte fuer seinen Bruder Schmerzmittel holen. Dafuer war er 3 Tage lang gelaufen. Der Bruder hatte wohl nen Knochentumor der sehr schmerzhaft war. Jetzt sag mir mal einer wie ich, ohne jede Palliativmedizinische Erfahrung so auf die Schnelle und auf die Ferne ne anstaendige Schmerztherapie machen soll? Zu der Zeit hab ich noch aufgeschrieben was Prem mir sagte. Der hat dann Indometazin mitgekriegt, fuer 5 Tage. Grausam.
Ja, wenn man hier chronisch was hat, muss man leiden, und irgendwann sterben, aber zu hause im dorf, nicht hier im krankenhaus. Die Lebenserwartung hier ist ziemlich niedrig….- aber wenn man sichs ueberlegt, wenn die ganzen kinder ueberleben wuerden, und die Leute alle alt werden wuerden, der importreis wuerde vorn und hinten nicht reichen.
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