Jens Bode

  Runter vom naechsten Berg

Okt 05 2008 -

10:10 Uhr geschrieben

Hallo liebe Leute,

bin vor kurzem wieder in KTM gelandet, nach 6 Tagen Wandern im Himalaya. Das letzte mal in Nepal hatte ichs nicht geschafft und mir so gewuenscht irgendwann nochmal hier her zu kommen um die Berge zu sehn. Das hat jetzt geklappt. Was mir zuerst wie die nur 2tbeste moeglichkeit vorkam hat sich als wirklich traumhaftes erlebniss rausgestellt.

Ich war ja echt ganzschoen genervt so ploezlich Humla verlassen zu muessen, das war, weil Dasain Festival viel eher begann als ich gedacht hatte und alle mir angst gemacht haben, dass ich nach dem Beginn der Feste 2 Wochenlang keinen Flug mehr aus Humla raus bekomm. Dasain ist das groesste und wichtigste Fest der Hindus. So wie bei den Christen Ostern, wahrscheinlich, aber irgendwie auch wieder mehr wie Weihnachten, wenn man das gesteigerte Konsumverhalten zugrundelegt. Auf jeden Fall dauerts 2 Wochen. ICh hab also meine schoenen Plaene in Humla ueber den hauefen werfen muessen. Ich wollte noch ne Tour in die entlegeneren Doerfer machen, wo die Zeit noch viel krasser stehengeblieben ist als in Simikot, ich wollet unbedingt nen Schamanen treffen und interviewen und eventuell sogar dabeisein, wenn er nen Menschen behandelt. Das ist naemlich echt krass. In Humla gibt es noch eine total intakte aktiv wirkende urheilkunde. Die erfolge scheinen mir nicht so gut zu sein, weil die patienten die beim schamanen waren scheinbar ziemlich oft anschliessend zu uns kamen.

Was ich dann immer sah waren 1-eurostueck-grosse brandnarben auf den baeuchen die ich abhorchte und tastet, oft irgendwie symmetrisch angeordnet. Ich hab erfahren, dass der Dharmi (so heissen die Schamanen da) einen Stock aus dem feuer nimmt und mit der glut das boese ausbrennt. soweit die theorie. Das andere was ziemlich oft vorkam waen mit schwarzem schlamm vol;lgeschmierte koerperteile, das wurde bevorzugt bei schmerzen angewandt, scheint mir. Aber ich sah natuerlich immer nur die Folgen des schamanischen wirkens - und die misserfolge. Einen Dharmi mal selber zu treffen haett ich total klasse gefunden. Tja, wieder was fuers naechste mal. Genauso die tour in die richtig weit entfernten doerfer, da wo kein strom ist (dafuer muss man nicht besonders weit aus Simikot raus, ne Stunde reicht) und die leute im winter so wenig vitaminsachen zu essen haben, dass ihnen die zaehne ausfallen. Das muss echt so kras sein, die kriegen -40 grad und sind im winter komplett abgeschnitten von allem, koennen nit anbauen und die vorraete reichen nicht. Eine ziemlich koole entwicklungshilfeidee, die grad dort getestet wird, ist gewaechshaeuser zu bauen, die garnix brauchen als die sonne und mit denen es moeglich werden soll den ganzen winter ueber spinnat und karotten anzubauen. Wenn das hinhaut, wuerde das verdammt viel bewirken.

Nun ja, ich bin wieder raus (weil ich musste) aus dem Land der Vergangenheit ohne fahrzeuge und auch sonst ohne alles was wir als moderne zivilisation bezeichnen und war 6 Tage lang tourist nud Trecker - und es war genial.

Sonnenaufgang ueber Gosain Kund

Der ort wegen dem es sich so sehr gelohnt hat 3000 meter hochzulaufen war Gosain Kund im Langtang-Nationalpark. Das war der wunderschoenste stillste heiligste Platz den ich ja in meinem Leben gesehen hab. ch kann ueberhauptnicht beschreiben wie bewegend es war einen ganzen tag lang einfach nur dort rumzulaufen, zu sitzen, rumzugucken und die ganze zeit zu staunen. Photos koennen unmoeglich wiedergeben wie es dort wirklich war, aber ich will mal trotz langsamen internets versuchen eins

hochzuladen. Mal sehn obs klappt. Beschreiben kann ich eh nicht wied da aussieht, nur so viel, es ist ein See auf 4300 meter hoehe, eigentlich ein Systhem von seen, von denen gosain Kund der groesste und shcoenste ist. Die seen sind durch wasserfaelle verbunden und einfach traumhaft. Der ort ist sowohl fuer hindus als auch Buddhisten Heilig, obwohl man vor allem Buddhistische spuren sieht, vor allem ziemlich viele gebetsfahnen und steinmaennchen (minnistupas)

Jetzt bin ich wieder hier, pack noch nicht so recht den Laerm der Stadt, werd ein paar geschenke fuer Freunde Kaufen und mich dann ins Dorf verpissen, wo meine alte Familie wohnt und mit denen den Tikatag feiern, das ist einer der wichtigsten tage von Dasain (evtl so wie der erste Weihnachtsfeiertag) mit ganz viel Reispudding essen und riessige tikas an die Stirn kleben. Der Tag davor, uebermorgen, ist der opfertag, wo in ganz nepal die ziegen und buefflpopulation auf ein minimum runterdezimiert wird. Weiss noch nicht wo ich hingehn will um mir das anzusehn, aber interessieren tuts mich schon das grausame schauspiel. Durch mein zugucken wird das toeten ja auch nicht mehr, denk ich mir und geh hin.

Also soweit so gut, ich bin ziemlich muede, deswegen jetzt keine blumige langathmige ausfuehrung. Ich werd, wenn ich kann, nochmal etwas mehr ueber simikot schreiben, da ist noch lange nicht alles geschreiben, was ich schreibenswert finde, aber die zeit ist kostbar und ich bin faul.

Liebe Gruesse

jens


Kommentar schreiben

Copyright © Jens Bode - Administration Eric Bode