Tja, irgendwie kommts immer anders, und meistens als man denkt. Jetzt sitz ich immernoch in Surkhet und schreib euch sogar auf dem Blog weil naemlich heute Sonntag ist, erster Werktag der Woche und das bessere Internetcafe wieder auf hat und auch die Telekommunikationsleitungen wieder funktionieren.
Vorgestern (glaub ich, oder uch vorvorgestern) war naemlich der Indische unabhaengigkeitstag mit grossem Festakt und so weiter. Man munkelt, dass die indische Regierung oder irgendwelche Organe derselben, das Funknetz lahmgelegt haben um die Handy und Internetkommunikation irgendwelcher pakistanischer Terroristen zu unterbinden und eventuelle Anschlaege zu verhindern.
Na ja, jetzt jedenfalls bin ich in Surkhet und das Internet geht so weit, dass man damit arbeiten kann.
Ich hab gestern in ziemlicher Hast Mails geschickt, ueber “Web.de” die mein Bruder reinstellen sollte, weil web.de nicht so anstrengend ist fuer ne beinahe ueberlastete Internetverbindung. Jetzt bin ich da, kann also die Sachen selber reinstellen. Was ihr also evtl. in den drei Artikeln vor diesem lest, stammt von Samstag den 16ten August.
Jetzt, nachdem schon wieder alles ganz anders gekommen ist, ist glaub ich, ist ein guter Zeitpunkt, um an den nur halb beendeten Orgaartikel anzuknuepfen:
Ja, Yeshe kennt also echt Alle, auch den Besitzer des Medikamentengrosshandels in Nepalganj und den Lokal Development Officer von Humla. Und trotzdem scheint es kaum moeglich nach Humla zu gelangen.
Heute sollten wir dann endlich Fliegen, zwischen den Reissaecken und Kisten. Dr. Yeshe hatte es geschafft. Ungefaehr 80 Leute hatten sich gemeldet fuer einen Flug nach Humla. In der Wartehalle mit Bordingpass in der Hand sassen dann 7. Darunter der Lokal Development Officer von Humla (ziemlich hohes Tier), Dr. Yeshe Lodoe Lama (der Arzt von Humla) und Jens Bode (so’n Student aus Deutschland der sich ueberlegt hat er wuerde gern mal am Arsch der Welt Doktor spielen).
Aber der Weg in diese Halle war schon gesaeumt gewesen von Hochs und Tiefs – genau wie die Letzten Tage. Gestern Nachmittag, als klar war, dass kein Flieger geht, hat Yeshe mir Gesagt, er kommt nicht mehr mit. Er hat mir nen Monsterstapel von Nepalgeld in die Hand gedrueckt, den ich seinen Vater (und Mitarbeiter) in Simikot geben sollte um den Krankenhausbau weiter voran zu treiben und hat mir gesagt wo die ganzen Kisten mit Medizinischen Geraeten und Medikamenten hinsollen.
Yeshe hat naemlich am 25ten, also in ner Woche nen ziemlich wichtigen Termin in KTM. Da kommt ne Reisegruppe von Amerikanern, denn soll er Bilder und ein Video von Humla zeigen und normalerweise kommen zu diesen Anlaessen immer gern mal 500 bis paar Tausend US$ Spenden zusammen, das ist wichtig. Ausserdem ist der Reisefuehrer dieser Gruppe Yeshe’s Sponsor und Goenner. Wichtiger Termin also. Muss in der Organisation nen vorrangigen Platz einnehmen. Ja und aus Angst bei der Wetterlage im Moment nicht mehr aus Humla rauszukommen, hat er gemeint, “fahr du mal alleine, sorry”.
Fuer mich war das natuerlich krass. Das bedeutete dass ich der Doktor von Humla werde. 2 Wochen lang sollte ich dann da ohne Yeshe auskommen und Doktor spielen. Aahhh.
Klar, die Schwestern und das sonstige Team da sind krass erfahren und die kommen auch sonst oft ohne Yeshe aus, aber trotzdem… Aahhhh. Man will ja auch nicht als der Nullchecker aus dem Westen dastehn und nur dumm gucken wenn einer mit nem Schnupfen kommt aber vor allem: Was, wenn mal ein richtiger Notfall kommt, wo die Schwestern auch nix wissen und alle hilfesuchenden Blicke sich auf den Doktor richten?
Dann die Nachricht heute Frueh: Yeshe kommt mit, wenn heute ein Heli fliegt. Dann der erste Anruf: Jetzt sofort los, dann der naechte Anruf: nein doch nicht, dann doch wieder, wir los Zum Flugplatz, abgefucktestes Flughafengebaeude aller Zeiten, massig Leute, nur wir kommen durch, dann endlich die Wartehalle, grosse Hoffnung, werde doch nicht alleine Doktor spielen muessen, danke Gott oder wem auch immer…
Dann die Nachricht: der erste Hubschrauber von ganz frueh der nur Gueter geladen hatte kommt zurueck. Wetter in Humla gut, Wetter in Surkhet gut, dazwischen unterwegs Wetter zu schlecht. Scheisse. Dann die Nachricht: Unser Flug ist abgesagt. Oberscheisse. Dann erstmal Daal Bhaat essen und warten und weiterhoffen, dann endgueltige Absage. Ganz grosse Oberscheisse.
Immer hin und her. Ich sags euch das schlaucht. Wahrscheinlich langweilts euch in dieser ausfuehrlichkeit, aber fuer mich war das jedesmal ne komplette gefuehlsdusche. So – ich muss alleine nach Humla
, ich muss nicht alleine nach Humla
, …
Jetzt siehts ganz so aus als haetten die abgefahrenen Verhaeltnisse in Nepal gesiegt ueber Yeshes Orgakraft. Zumindest was seinen Flug nach Humla angeht. Er nimmts gelassen und sellt jedenfalls sicher, dass ich, wenn irgendwas geht, dabei sein werde. Und ich, ich bin irgendwie auch gelassener geworden. Im Moment denk ich mir einfach “alles klar liebes Schicksal. Schick mir einfach irgendwas und ich nehm’s wie’s is. Wenn ich allein in Humla lande werde ich mein Bestes tun, wenn Yeshe doch noch mitkommt bin ich froh, nix ist unmoeglich, und auf jeden Fall kann ich mich auf nix verlassen. In jeder Situation, die kommt, das Beste zu versuchen ist das einzige was man tun kann und irgendwie ist das auch ne Art Halt. Im Moment ueb ich mich in Geduld, schreib euch, trink Tee und vor allem nutz ich die meiste freie Zeit um wie ein Wilder in meinem “Teach yourself Nepali” Buch voran zu kommen.
Seid lieb gegruesst vom moechtegern – Doktor
Jens
August 17th, 2008 at 17:58
hi jens,
die ausführlichkeit langweilt überhaupt nicht - im gegenteil das ist so spannend!das ist/wird wahrscheinlich mit das anstrengenste/aufregenste/abgefahrenste was du so erlebt hast bist jetzt - trotzdem bin ich ziemlich sicher, dass du auf die frage, wie es dort war, wenn du zurückkommst mit einem breiten jensgrinsen ” uuuultra geil, ich sags euch…” antworten kannst.
August 17th, 2008 at 21:30
Hey Jens,
ich finds total interessant, von deinen Erlebnissen zu lesen! Baputierchen hat mir die Adresse gegeben und ich finds wirklich schön, dass du das hier öffentlich schreibst. So können auch so “Entfernte” wie ich was von deiner Geschichte mitbekommen.
Liebe Grüße aus Karlsruhe,
Manu
August 19th, 2008 at 21:42
Huhuuuu, Jens- dieser blog ist ne geniale sache! und voll spannend! wünsch dir die nötige gelassenheit und noch viele wunderschöne, interessante und lehrreiche eindrücke=)! komm gut wieder und bis denn! liebe grüße, Lena
September 3rd, 2008 at 20:26
bla