Jens Bode

  Dr Yeshe und die Sache mit den Kasten

Aug 17 2008 -

03:08 Uhr geschrieben

16.08.
Nachdem ich immernoch Zeit habe schreib ich einfach weiter, ich tipp einfach alles in diese Kiste was ich so in letzter Zeit von Yeshe gehoert hab, die Orte an denen wir waren war’n ja, bis auf ihre Abgerissenheit und Abgelgenheit nicht so spannend.

Also gestern hab ich Yeshe von meiner alten gastfamilie erzahlt, die mit der ganzen rituellen Reinheit beim essen und mit der Kastentrennung suuper pingelig waren. Immerhin war mein Gastvater ja Brahmanenpriester, also echt was wichtiges in der Welt der Hinduhierarchie.
Yeshe meinte dann ziemlich trocken, dass das mit den kasten bloed ist, dass Gott nie verschiedene Klassen von Menschen wollte, das das nur von Menschen gemacht ist. Er hat das bei sich in Simikot abgeschafft.

Da musst ich dann schon mal nachfragen - Wie jetz, abgeschafft?????

Ja, er selber kommt aus ner ziemlich hohen Kaste, obwohl er ja Buddhist ist. (Der Buddha hat auch nie von besseren und schlechteren Menschen geredet.) Das haengt damit zusammen, dass die alten Koenige, vor Jahrhunderten schon Kastenzugehoerigkeiten nach gutduenken an ihre Untertanen verteilt haben, so aehnlich wie bei uns Adelstitel, kann man sichs vorstellen. Ja und diese Klassen sind halt vererblich und durch die ganze Trennung mischt sich auch nix. Ein Unberuehrbarer ist eben unberuehrbar. Und ein oberkastler kann von niemandem das essen essen als von einem anderen Oberkastler. Alles andere ist “Juto” - Unrein.

Yeshe ist mit ner Menge Menschen, oder zumindest so, dass ne Menge Menschen es sehen konnten, zu ner Familie von Unberuehrbaren gegangen und hat sie einfach mal kraeftig angefasst und dann hat er auch noch mit ihnen gegessen. - Das was die gekocht hatten(!). Und er ist nicht sofort tot umgefallen. Und dann hat er mit den Leuten geredet. Aber, wie er sagt, nich so dozierend, sondern mit echtem Gespraech. Er hat den Leuten zugehoert. Er meinte zu mir “Man kann einen Mensch kaufen, fuer 2 Tage oder so, aber sei Herz muss man gewinnen” Und darin scheint er ziemlich gut zu sein - Hat natuerlich auch einfluss, so als der Arzt.
Inzwischen wird in Simikot die krasse Kastentrennung nicht mehr praktiziert. Draussen in den weiter entfernten Doerfern schon noch, aber nicht im der Umgebung des Krankenhauses. Anscheinend macht man sogar religioese Feste gemeinsam. Abgefahrn ohne Ende find ich das.

Yeshe findet, dass so mancher Politiker es auch leichter haette, wenn er mal zuhoeren wuerde und auf die Leurte eingehn. Ist natuerlich in so nem Dorf alles noch ein bisschen ueberschaubarer, aber im Prinzip hat er schon recht.

Ich hab dann mal noch gefragt wie zum Teufel er das alles so schafft, einfach was ganz anderes zu machen und so viel zu veraendern. Immerhin ist der ja genau da geboren, am Arsch der Welt und mit genau den Zustaenden und der Armut und und dem Aberglauben als einziger Lebenswirklichkeit aufgewachsen - Zumindest bis er 5 war und nach Indien auf die Schule ging. Es hat dann ganz bescheiden gemeint “Just out of necessity” - Es war halt noetig…..

Also gut, jetzt versuch ich doch noch was zu essen zu finden.

Liebe Gruesse und bis irgendwann in 4 bis 6 Wochen.

Falls ihr jemand kennt der sich fuer die Geschichten hier interessiert, dann gebt die Adresse von dem Blog weiter - besonders natuerlich wenns jemand finanzkraeftiges ist der sich grad ueberlegt wo er am besten seine wohltaetigen Spenden anlegen soll. ;-)

Tschuess


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